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003. Freund oder Feind



Allgemeines
Originaltitel Fight or Flight
Produktionsnummer 103
Erstausstrahlung USA 03.10.2001
Erstausstrahlung BRD 20.09.2002
 
Regie Allan Kroeker
Drehbuch Rick Berman & Brannon Braga
 
Story
6. Mai 2151
Während ihrer Erforschung des tiefen Weltraums entdeckt die Crew der NX-01 ein außerirdisches Schiff, auf dem sie 15 humanoide Leichen vorfinden, welche Teil eines wissenschaftlichen Experiments gewesen zu sein scheinen. Der schreckliche Anblick löst bei Hoshi eine Panikattacke aus und weckt in ihr den Wunsch, zur Erde zurückzukehren, doch Archer besteht auf der Fortführung der Mission und einer genaueren Untersuchung der zurückgelassenen Toten. Die Enterprise bekommt Probleme, als die Außerirdischen, die die grauenhaften Experimente durchgeführt haben, zurückkommen, und das Schiff angreifen... (Offizielle Beschreibung)
 
Darsteller
Jeff Ricketts Captain der Axanar
Max Williams Crewmitglied #1
Brett Baker Crewmitglied #2
Efrain Riguerda Stimme des Übersetzers
 
Bewertung
Als die ersten Informationen für "Fight or Flight" auftauchten, war auch jenes Gerücht darunter, das es sich bei der folge um die erste "zweite Episode" einer Star Trek Serie handeln würde, die in Sachen Storyqualität nicht den üblichen, recht drastischen Abfall vom Pilotfilm aufweisen würde. Nachdem ich diese vielleicht unspektakuläre, aber doch sehr menschliche und bewegende Geschichte gesehen habe, könnte ich nicht mehr zustimmen. "Fight or Flight" konzentriert sich speziell auf Hoshi Sato, den Kommunikationsoffizier und menschlichen Übersetzer des Schiffes, und wendet nicht gerade viel Zeit dafür auf, uns alle Besatzungsmitglieder etwas ausgiebiger vorzustellen, aber angesichts ihres Themas ist die Story als erste reguläre Folge von "Enterprise" sehr geeignet, zeigt sie doch die ersten Kontakte der Crew mit außerirdischem Leben, und wie damit umgegangen wird. Die offensichtlichen Möglichkeiten sind Konfrontation (fight) oder Flucht (flight), d.h. sich entweder der Situation stellen, selbst, wenn nicht immer alles leicht und einfach ist, oder "den Kopf in den Sand zu stecken" (wie Captain Archer es ausdrückt) und wegzurennen.
Weil der Captain und seine Crew bisher nur mit einer Handvoll außerirdischer Spezies Kontakt hatte, weiß man nicht so recht, wie man vorgehen soll, insbesondere da  in diesem Fall der "erste Kontakt" eine Begegnung mit 15 toten Aliens ist. Genauso wie das Schiff und seine Systeme noch an die Anforderungen des tiefen Raumes angepaßt werden (und es ist erfrischend zu sehen, daß einmal ein Problem nicht durch überlegene, perfekt arbeitende Technologie aus der Welt geschafft werden kann) ist auch die Besatzung noch im Begriff, sich mit der neuen Situation vertraut zu machen, und darum geht es in dieser Episode, die auf einfache und doch effektive Weise die Besonderheiten bzw. Vorzüge der Ansiedlung der Serie im 22. Jahrhundert zeigt. Als sie die erschreckende Entdeckung auf dem außerirdischen Schiff machen, brechen die Menschen hastig die Außenmission ab und nehmen den alten Kurs wieder auf, ohne nähere Untersuchungen durchgeführt zu haben (und Hoshi schreit "wie eine Zwölfjährige" ;-). Sie haben Angst, und haben Zweifel.
Als die zentrale Figur in dieser Folge spiegelt Hoshi diese Gefühle, die wir wohl alle in diesem Moment fühlen würden, am besten wider, und das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso dieser Charakter so nachvollziehbar und verständlich für uns ist. Die Ursache für Hoshis Probleme wurde bereits im Pilotfilm festgelegt, in dem Archer sie wegen ihrer Sprachfähigkeiten "rekrutiert" hat, während sie, die Lehrerin für Exolinguistik, die zu dieser Zeit der Sternenflotte nicht mehr aktiv angehörte und wortwörtlich mit beiden Beinen auf der Erde stand, sich nicht sicher war, ob dies das Richtige für sie ist. Im Gegensatz zu den anderen Besatzungsmitgliedern ist sie nicht "verrückt nach einem ersten Kontakt", wenn dieser so wie in "Fight or Flight" aussieht, und sie ist mehr an außerirdischen Sprachen denn an düsteren Alienschiffen und gefährlichen Außenmissionen interessiert. Sie fühlt sich wie in Fremdkörper in dieser künstlichen Umgebung, in die sie - mit besten Absichten - von Jonathan Archer gebracht wurde, genauso wie sie diese niedliche außerirdische Schnecke aus ihrem natürlichen Lebensraum mit an Bord nahm. Die kleine Geschichte um "Sluggo" ist natürlich eine Analogie für Hoshis Situation. Der Mensch ist sicherlich nicht dazu von vorn herein dazu bestimmt, im Weltraum zu überleben, doch das ganze ist trotzdem nicht dasselbe wie das Gefägnis, daß der Glaskasten auf der Krankenstation für die Schnecke darstellt, auch wenn Hoshi das anfangs glauben möchte. Jedoch ist die Frage sowieso nicht "Warum ist sie hier?", denn das weiß sie nachweislich von Anfang an. Sie ist sich eben bloß nicht sicher, und als die Dinge sich wirklich verschlechtern, steht sie kurz davor, den Captain um ihre Rückkehr zur Erde zu bitten.
Die anderen Crewmitglieder fühlen auch ein gewisses  Unbehagen, doch ihre Neugier und Forscherdrang ist doch ein wenig größer. Kurz nachdem sich Captain Archer dazu entschieden hat "fortzulaufen", läßt ihn seine menschliche Moral und sein Mitleid mit den Toten ihn dies bereuen, will er doch diesen Leuten helfen und herausfinden, was mit ihnen passiert ist. Sicherlich, wenn man die begrenzte Einsatzfähigkeit von Schiff und Crew bedenkt, wäre es wohl am logischsten gewesen, nicht eine Situation zu provozieren, die sie möglicherweise nicht überleben würden (und es ist klar, daß der Gegner, der diese Außerirdischen getötet hat, zurückkehren wird), und natürlich kann Archer mit den Widerspruch von T'Pol rechnen. Aber die Erforschung des Weltraums beinhaltet Risiken, und wie der Pilotfilm bereits gezeigt hat, kann der menschliche Handlungsansatz klare Vorteile nicht für einen selber haben. Auch wenn es natürlich noch eine Menge Konfliktpunkte in dieser Hinsicht zwischen dem brummigen Captain und seinen ach so nüchtern denkenden Wissenschaftsoffizier gibt, ist es dennoch etwas verwunderlich. daß er ihre (vulkanischen) Ratschläge noch immer als persönliche Beleidigungen auffaßt, in dem er sie entweder ignoriert oder eher verärgert reagiert. Das läßt T'Pol irgendwie in einem schlechten Licht erscheinen, obwohl sie doch sogar zugegeben hat, daß die Absichten des Captains "lobenswert" waren und sie sich einfach an ihren eigenen, abweichenden Verhaltenskodex hält (der, wie wir inzwischen wissen, eine strikte Regel zur Nicht-Einmischung sowie den pragmatischen Ansatz "Keine Erforschung im Sinne von einer Suche ohne spezifisches Ziel oder Grund" beinhaltet).
Trotz T'Pol wiederholter Einwände zahlt sich am Ende das kalkulierte Risiko aus, und die Crew kann endlich einen ersten erfolgreichen "echten" ersten Kontakt machen und einen neuen Freund in einem Universum gewinnen, daß offensichtlich kein so "gewöhnlicher Spielplatz" wie im 24. Jahrhundert ist, aber genauso wie im Pilotfilm ist auch ein wenig Anfängerglück mit im Spiel, kann die kaum Erfahrungswerte aufweisende Crew doch noch nicht alle möglichen Variablen einschätzen. Trotzdem hat sich die Notwendigkeit, sich Situationen zu stellen anstatt, in Furcht vor möglichen Problemen, ihnen gleich ganz aus den Weg zu gehen - und damit auch mögliche Chancen, zu lernen und das eigenen Verständnis zu erweitern zu verpassen, doch eindrucksvoll gezeigt,   insbesondere für ein junges Besatzungsmitglied. 
Da der Schiffsübersetzer ständig versagt, ist es nämlich am Ende tatsächlich Hoshi, die den Tag und das Leben ihrer Kameraden rettet und damit beweist, welche Schlüsselrolle sie an Bord dieses Schiffes inne hat. "Hoshi, ich brauche dich für diesen Job - wir alle tun das. Darum bist du hier" sagt Archer angesichts eines grauenvollen Schicksals, und da sie in dieser Alles-oder-Nicht-Situation wirklich keine Wahl mehr hat, die dem Captain zufolge "nicht mehr schlimmer werden kann", beginnt Hoshi ihre neue Position, und die Notwendigkeit, "die Zähne zusammenzubeißen" und zu wachsen, nicht nur zu erkennen, sondern zu akzeptieren. Wenn sie ihre Ängste und Selbstzweifel überwindet, die sie von ihrer Arbeit abhalten  - der Arbeit, die sie so unverzichtbar für die Crew macht -, dann kann sie ein Besatzungsmitglied sein, daß genauso wertvoll wie jedes andere ist; ein Crewmitglied das exakt am rechten Platz ist.
Die wunderschöne Schlußszene spiegelt perfekt wider, daß Hoshi sicherlich noch einen weiten Weg zu gehen hat, bevor sie nicht nur eine erstklassige Sprachwissenschaftlerin, sondern auch ein erfahrener Sternenflottenoffizier ist, doch bereits beginnt, sich an das anspruchsvolle, aber trotzdem lohnende Weltraumreisen zu gewöhnen: sie bringt "Sluggo" auf einen Planeten, der "nicht gerade der Platz ist, von dem du kamst", aber, wie sie sagt, "Es ist nah genug dran. Es ist nicht so schwierig sich anzupassen. Du wirst dich hier ganz prima behaupten", womit sie wahrscheinlich nicht nur die Schnecke meint.
05.10.2001

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Zitate
Dr. Phlox: "Und haben Sie Crewmen Benett und Hayman dort drüben gesehen? Wenn ich mich nicht irre, bereiten Sie sich auf die Paarung vor. Denken Sie, die werden mich zuschauen lassen?"
Trip: "Es ist gut zu sehen, daß Sie ihren Spaß haben."
Archer: "Ziehen Sie in den Krieg, Lieutenant?"
Reed: "Man kann nicht vorsichtig genug sein, Sir."
Archer: "Sie haben zu viele Science Fiction Filme gesehen. Wir brauchen nur die drei Phasenpistolen. Packen sie die Gewehre weg."
Hoshi (über 'Sluggo'): "Sie muß in einer Umgebung zurück, an die sie besser angepaßt ist."
Phlox (nicht nur über die Schnecke): "Vielleicht einen Platz, an dem sie unterrichten kann."
Archer (zu T'Pol): "Sie glauben das vielleicht nicht, aber wir Menschen haben auch einen Verhaltenskodex. Es hat ein paar tausend Jahre gedauert, aber ich denke, wir beginnen es richtig hinzubekommen. Ich kann nicht glauben, daß ich ihn fast ignoriert hätte."
Archer (zu Hoshi): "Ich denke, wir haben gerade einen Freund gefunden - dank dir."
Hoshi (zu 'Sluggo'): "Das ist nicht gerade der Platz, von dem du kommst. Aber es ist nah genug dran. Du wirst dich hier ganz prima behaupten."
 
Logbuch des Captains
Enterprise Persönliches Logbuch. Wenn ich früher von dieser Mission geträumt habe, ist das letzte, was ich mir vorgestellt habe, eine Vulkanierin an Bord gewesen, die ständig die Luft aus dem Raum saugt. [...] Bevor wir abgereist sind, hat Admiral Forrest gesagt, wir würden mit jedem Lichtjahr Geschichte machen. Aber das wird uns nicht gelingen, in dem wir die Hände in den Schoß legen."
Enterprise Sternenlogbuch, 6. Mai 2151. Nachdem wir ihnen geholfen haben, ihre toten Besatzungsmitglieder zu bergen, hatten wir die Gelegenheit, einige Zeit mit den Axanar zu verbringen. Es hat sich herausgestellt, daß sie androgyn sind und über 400 Jahre leben. Ich freue mich auf eine zukünftige Begegnung unter besseren Umständen. Bevor wir unseren Kurs wiederaufnehmen habe ich zugestimmt, einen kleinen Umweg zu machen.
 
Star Trek Datenbank
Die Axanar sind eine freundliche humanoide, androgyne Rasse mit einer individuellen Lebenserwartung von über 400 Jahren. Anscheinend benötigen sie eine Stickstoff-Methan Atmosphäre und Temperaturen um -20°C zum Überleben.
 
Background
Erstaunlicherweise scheint der Weltraum in "Enterprise" ein weitaus realistischerer Ort als in den vorherigen Serien. "Der Weltraum hat eine gewaltige Ausdehnung" betont T'Pol, wobei nur einer von 43000 Planeten intelligentes Leben beherbergen kann (obwohl das offensichtlich nur das statistische Mittel für die ganze Galaxie ist - wir erwarten da sicherlich mehr in der Region des Weltraums, die die Enterprise erforscht), und tatsächlich hatte die Crew zwei Wochen lang keinerlei Kontakt mit außerirdischen Spezies, obwohl sie mit High Warp gereist ist (was jetzt freilich Warp 5 bedeutet). Dann gibt es jetzt Spezies, die humanoid sein mögen, aber nicht bequemerweise Englisch sprechen (oder eine außerirdische Sprache, die sich durch den Schiffsübersetzer perfekt interpretieren läßt), ein Stickstoff-Sauerstoffgemisch atmen und Raumtemperatur bevorzugen. Am Ende des Pilotfilms bereits hatte die Enterprise auf einen Planeten mit einer Stickstoff-Sulfid-Atmosphäre Kurs gesetzt, und diese Woche trafen sie auf die Axanar, einer anderen Spezies mit wahrhaft außerirdischen Lebensbedingungen.
Wie der Langzeitfan bemerken wird, wurden diese Axanar nach einem ziemlich berühmten Planetensystem (das ist der Fachausdruck, auch wenn die Leute in "Fight or Flight" immer wieder von "Sternensystemen" reden, was entweder einen Mehrfachstern oder eine ganze Galaxie bezeichnet ;-) aus der Originalserie - im 23. Jahrhundert, wurde (oder wie wir jetzt sagen sollten - wird) James T. Kirk mit dem "Palmenblatt von Axanar" für sein Verhalten auf einer Friedensmission ausgezeichnet ([TOS] Kirk unter Anklage), und Captain Garth wird irgendwann in den 2250ern die Schlacht von Axanar gewinnen ([TOS] Wen die Götter zerstören).

 

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